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Stille Lohnpfändung - Wann sollte diese angewendet werden?

Aktualisiert: 7. Apr.

Die Lohnpfändung ist ein gängiges Verfahren in der Schweiz, um ausstehende Schulden einzutreiben. Dabei wird ein Teil des Lohnes eines Schuldners direkt an seine Gläubiger überwiesen. Weniger bekannt, jedoch ebenso wichtig, ist die stille Lohnpfändung, bei der dieser Vorgang ohne Wissen des Arbeitgebers stattfindet. Diese Vorgehensweise birgt jedoch Vorteile sowie auch Risiken und Herausforderungen für alle Beteiligten.


Was ist eine stille Lohnpfändung?

Die stille Lohnpfändung ermöglicht es, dass ein Teil des Lohnes eines Schuldners direkt an den Gläubiger überwiesen wird, ohne dass der Arbeitgeber des Schuldners hiervon in Kenntnis gesetzt wird. Diese Regelung zielt darauf ab, die Privatsphäre des Schuldners zu schützen und gleichzeitig die Schuldenrückzahlung zu ermöglichen.


Wann ist eine stille Lohnpfändung sinnvoll?

Um abzuwägen, ob eine stille Lohnpfändung sinnvoll ist sollten verschiedene Faktoren beachtet werden. Diese sind von Situation zu Situation unterschiedlich, weshalb die Anwendung der stillen Lohnpfändung situativ abhängig ist. In folgenden Fällen ist eine solche Pfändung aber prinzipiell eher sinnvoll:


  • Schutz der beruflichen Position: In Berufsfeldern, wo das Bekanntwerden finanzieller Schwierigkeiten nachteilig sein könnte, wie z.B. im öffentlichen Dienst oder in vertrauenssensiblen Branchen, kann eine stille Lohnpfändung den Arbeitsplatz des Schuldners schützen.

  • Geringfügige und schnell abzutragende Schulden: Wenn ein Schuldner nur eine kleine Menge Schulden bei einem einzelnen Gläubiger hat, kann eine schnelle und diskrete Abwicklung durch eine stille Lohnpfändung erfolgen, was unnötige Aufmerksamkeit und Stress vermeidet.


Risiken der stillen Lohnpfändung

Für Gläubiger birgt die stille Lohnpfändung jedoch auch Risiken. Beispielsweise, dass der Schuldner die pfändbare Quote nicht abführt. Diese Quote ist der gesetzlich definierte Teil des Einkommens, der zur Schuldentilgung herangezogen werden kann. Schuldnern, die ihre pfändbare Quote nicht zahlen, drohen strafrechtliche Konsequenzen, jedoch ist ungewiss, ob das Betreibungsamt in solchen Fällen tätig wird.


Für Unternehmen stellt die stille Lohnpfändung eine Herausforderung dar, da sie möglicherweise über wichtige finanzielle Risiken ihrer Mitarbeiter im Unklaren gelassen werden. Dies kann besonders in sensiblen Branchen wie dem Finanzsektor problematisch sein.


Voraussetzungen für eine Lohnpfändung

Es liegt im Ermessen des Betreibungsamtes eine stille Lohnpfändung zu bewilligen oder abzulehnen​​. Die stille Lohnpfändung wird den Gläubigern mittels Pfändungsurkunde mitgeteilt. Ist ein Pfändungsgläubiger mit der stillen Pfändung nicht einverstanden, so muss er dies dem Betreibungsamt innert 10 Tagen mitteilen.


Der Nutzen offener Kommunikation in KMUs

Schliesslich sollten beim Abwägen auch die Nutzen einer offenen Lohnpfändung erwägt werden. In kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), besonders in familiengeführten Betrieben, kann die Offenlegung einer Lohnpfändung durchaus positive Effekte haben. Diese Betriebe sind oft sozial und familiär engagiert und können Schuldnern Unterstützung bei der Sanierung ihrer Schulden anbieten. Die Befürchtung, dass die Bekanntgabe einer Lohnpfändung am Arbeitsplatz negative Konsequenzen hat, ist oft unbegründet und kann langfristig sogar Vorteile bringen:


  • Unterstützung durch den Arbeitgeber: Viele KMUs bieten individuelle Unterstützung und arbeiten mit Schuldnern zusammen, um Lösungen zu finden. Dies kann zur finanziellen Stabilisierung beitragen und letztendlich dem gesamten Betrieb zugutekommen.

  • Förderung eines positiven Arbeitsumfelds: Eine offene Kommunikation kann das Vertrauen zwischen Mitarbeitern und Arbeitgebern stärken und zu einem unterstützenden Arbeitsklima führen.

  • Prävention weiterer finanzieller Schwierigkeiten: Frühzeitige Interventionen können helfen, weitere Schulden zu vermeiden und die finanzielle Gesundheit des Mitarbeiters zu verbessern.


Empfehlungen für Unternehmen und Gemeinden

  • Risikobewertung durchführen: Unternehmen sollten die Risiken und Vorteile einer stillen versus einer offenen Lohnpfändung sorgfältig abwägen.

  • Transparente Richtlinien etablieren: Klare Richtlinien, wie mit Lohnpfändungen umgegangen wird, helfen, Vertrauen und ein unterstützendes Arbeitsumfeld zu fördern.

  • Unterstützung anbieten: Bereitstellung von Schuldenberatung oder finanziellen Bildungsprogrammen kann Mitarbeitern helfen, ihre finanzielle Situation zu stabilisieren.


Fazit

Die Entscheidung für oder gegen eine stille Lohnpfändung sollte stets nach sorgfältiger Überlegung und basierend auf den spezifischen Umständen des Einzelfalls getroffen werden. Während die stille Lohnpfändung in einigen Fällen die beste Option sein kann, ist in anderen Fällen eine offene Kommunikation mit dem Arbeitgeber möglicherweise der bessere Weg, um langfristige Lösungen für Schuldenprobleme zu erreichen.


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